11. Jan. 2006
Warten aufs MacBook Pro
Das neue MacBook Pro (Bild: Courtesy of Apple)
Nach gefühlten 10 Jahren seit Einführung des G5-Prozessors gibt es also endlich jenes schnelle Pro-Notebook von Apple, welches wegen des schlechten Verhältnisses von Rechenleistung zu Stromverbrauch bei IBMs G5-Prozessor bisher nicht möglich war. Die Rechenleistung pro Watt beim jetzt eingesetzten Intel-Prozessor ist dagegen hervorragend; das neue MacBook Pro genannte Notebook bietet zeitgemäße Rechenleistung bei kleinem Stromverbrauch. Die Wartezeit auf die Auslieferung im Februar kann man zwar nicht verkürzen, aber mit ein wenig Fachsimpelei über Features und technische Daten lässt sich die Vorfreude wunderbar steigern …
Dennoch, das Negative zuerst: Der neue Name, MacBook Pro, ist etwas fürchterlich. Man hat das Gefühl, da musste unbedingt ein Name her, der die Silbe “Mac” enthält, wie es bei den anderen Apple-Rechnern, bis auf das iBook, auch der Fall ist. Nur: iMac, PowerMac, – diese Namen klingen gut, “MacBook Pro” ist dagegen schon beinahe ein Zungenbrecher. Vor allem: Warum dieses angehängte “Pro”? “MacBook” wäre völlig ausreichend, und klingt alleine auch noch ganz passabel.
Dieses “Pro” weckt den Verdacht, dass noch eine etwas billigere Produktlinie ohne “Pro” ansteht und dieses Anhängsel ein Unterscheidungsmerkmal sein soll. Wird womöglich das iBook auch durch ein Produkt mit neuem Namen abgelöst werden? Wäre schade drum, “iBook” klingt gut. Oder wird es demnächst noch ein Produkt für den semiprofessionellen Bereich geben, das preislich und leistungsmäßig zwischen iBook und MacBook Pro angesiedelt ist und auf “MacBook” ohne Pro hören wird?
Die Antworten auf all diese Fragen wissen wohl nur die Leute bei Apple – wer weiß, vielleicht enthüllt Steve in seinem neuen Podcast “Super Secret Apple Rumors” ja ein paar geheime Infos zu dem Thema; “gut informierte Quellen” bei Apple hat er ja angeblich … (Wer jetzt keine Ahnung hat, was gemeint ist: Video der Keynote anschauen!)
Während der nicht so tolle Name eher ein Problem kosmetischer Natur ist und lediglich Abzüge beim Karma bedeutet, stört mich Apples Umgang mit FireWire. Dass der iPod zugunsten der extremen Miniaturisierung seines Gehäuses nur noch eine Anschlussart unterstützt, ist okay. Dass das der USB-Anschluss ist, weil dieser den höheren Verbreitungsgrad hat, ist auch okay. Aber: Es ist auch deshalb okay, weil der iPod ein Stück Unterhaltungselektronik ist, bei dem es auf Plug and Play, einfache Bedienung, auf “it just works” ankommt.
Bei einem professionellen Arbeitsgerät wie dem PowerBook oder jetzt dem MacBook Pro liegen die Dinge jedoch etwas anders. Der Grund, warum Leute ein Heidengeld für externe Festplatten von LaCie ausgeben, ist, dass fehlerfreie, schnelle Übertragung von wichtigen, großen Datenmengen mit USB immer noch nicht so gut klappt, wie mit FireWire. Sogar “FireWire 400” steht, was die tatsächliche Übertragungsgeschwindigkeit angeht, in der Praxis eigentlich immer besser da als das nominell schnellere USB 2.0. Ja, das MacBook Pro hat einen FireWire-Anschluss. Aber es sollte einen “800-er” haben, um seinem Anspruch als professionelles Arbeitsgerät gerecht zu werden; ich finde, die sich abzeichnende Entwicklung weg von FireWire ist eine Fehlentwicklung. Wenn ich mir das beste Notebook von Apple kaufe, möchte ich auch die beste verfügbare Möglichkeit der Datenübertragung darin eingebaut haben.
Was die “Fehlentwicklung” angeht: Das ungute Gefühl bei dieser Sache kommt auch daher, dass man den Eindruck hat, es läuft auf die Abschaffung von FireWire heraus, und das war’s. Was bei dieser Entwicklung fehlt, ist eine erkennbare Strategie, etwa hin zu einer Alternative zu FireWire. Diese Alternative müsste dann aber dem o.g. Anspruch – bestes Notebook, beste Connectivity – gerecht werden. USB wird das meiner Meinung nach nicht. Aber was wäre z.B. mit S-ATA?
In einem macnews.de-Beitrag wird spekuliert, dass FireWire 800 die Produkteinführung verzögert hätte und der Verzicht mit Platzproblemen zu tun hat. FireWire 800 könne man jedoch, sobald entsprechende Hardware verfügbar sei, per ExpressCard nachrüsten – na toll … Wegen der Enge im Gehäuse sei man auch gezwungen gewesen, das kleinste verfügbare optische Laufwerk zu verbauen, was wohl der Grund ist, warum das verbaute SuperDrive kein DL kann.
Doch nun zum Erfreulichen:
- Der Prozessor, ein klarer Fall: Zwei Kerne, Leistung hoch, Stromhunger niedrig – so soll es sein.
- Die Geschwindigkeit: Die einschlägigen Benchmarks laufen vier- bis fünfmal so schnell wie beim PowerBook mit G4-Prozessor, vor allem der Speicherdurchsatz ist um Welten besser – endlich ein Apple-Notebook mit zeitgemäßer Performance.
- Grafik/Bildschirm: Die Grafikkarte scheint ziemlich ausreichend (128 oder 256 MB RAM, DVI-Anschluss mit Unterstützung für eine irre hohe Auflösung am externen Monitor), der Bildschirm soll 67 Prozent heller sein als beim letzten PowerBook, was natürlich gut fürs Arbeiten in heller Umgebung ist.
- Universal Binaries/Rosetta: “Software just works” – wenn Apple hier hält, was es verspricht, ist beides eine großartige Leistung. Dafür, dass Rosetta ein Emulator ist, scheint die Performance ziemlich am Ende dessen zu sein, was möglich ist. Meiner Meinung nach eine reife Leistung – Apple gibt sich Mühe, die Transition für den User so schmerzfrei wie möglich zu halten.
- Front Row: ist sowieso schon Klasse – ein Notebook wird damit natürlich zum idealen Präsentationswerkzeug. (Hat die Fernbedienung eigentlich einen Laserpointer eingebaut? ;)
- iSight: Die Integration ins Gehäuse ist natürlich gerade bei einem Notebook, welches man ja naturgemäß häufiger mit sich herumschleppt, ungemein praktisch – Apple reduziert die Schlepperei von externem Gefrickel.
- MagSafe: Herrlich. Das sind diese netten, kleinen Innovationen, für die man Apple liebt. Der Stecker des Netzteils hält magnetisch am Anschluss des MacBook Pro und löst sich deshalb bei zuviel Zug am Kabel einfach vom Anschluss, ohne das Notebook mit vom Tisch zu reißen. Apple nimmt der klassischen Stolperfalle, dem ungewollten plötzlichen Tod vieler Notebooks, ihren Schrecken.
- Gehäuse: Noch flacher, zum Glück mit bewährtem Design.
- Auch sonst hat sich vieles verbessert oder ist schneller geworden: Das MacBook Pro kommt z.B. mit ExpressCard/34-Steckplatz, digitalem Audio-Ein- und Ausgang, neuem iLife-Paket, usw. Das sowieso schon sehr gute Konzept der PowerBooks hat sich nicht geändert, und das ist gut so. Wer alles ganz genau wissen will, studiert dafür die Seiten zum MacBook Pro auf der Website von Apple.
Abgesehen davon, dass die Wartezeit auf neue PowerBooks nun auch wirklich lang genug war, finde ich es sehr gut, gerade auch mit einem Produkt für professionelle Anwender neben dem iMac, den Anfang der Transition einzuläuten. Das erhöht hoffentlich den Druck auf die großen Softwarehersteller, ihre Produkte fit für die Intel-Macs zu machen und als Universal Binaries anzubieten. Anscheinend denkt man bei Apple genauso; Steve Jobs’ Seitenhiebe in Richtung Adobe während seiner Keynote waren nicht zu überhören.
Andere Stimmen und weitere Infos zur Keynote und den neuen Produkten:
Kommentare:
möglicherweise hat apple wie beim iMac zu einem „standard-chipsatz“ von intel gegriffen und konnte daher nicht das gewohnte zeug integrieren.
auf jeden fall riecht das ganze für mich danach, erst mal die füße still zu halten und die v2.0 der macIntel-rechner abzuwarten