6. Feb. 2007
Trojanisch
Es folgen ein paar Feststellungen zum bestussten Begriff “Trojaner” und zur Existenz des fabulösen “Bundestrojaners”:
“Trojaner”:
Dieser Begriff ist leider völliger Unfug. Geht die inflationäre Verwendung dieser falschen Bezeichnung für ein schädliches Computerprogramm, welches sich als harmlose Anwendung tarnt, wirklich nur mir auf die Nerven!? Zur Auffrischung:
Auf den Rat des Odysseus bauten die Griechen ein hölzernes Pferd (Trojanisches Pferd), die Tapfersten versteckten sich darin und die griechischen Schiffe täuschten die Abfahrt vor. Die Trojaner hielten das Pferd für ein Weihgeschenk und holten es in die Stadt, sodass die Griechen die Tore von innen öffnen konnten.
Quelle: Meyers Lexikon online
Die Trojaner sind also unzweifelhaft die, die angegriffen werden. Von den Griechen. Mit einem Holzpferd.
Deshalb heißt das getarnte schädliche Programm “Trojanisches Pferd” und nicht anders. Man könnte es auch “Griechisches Holzpferd zum Austricksen der Trojaner” nennen. Aber nicht Trojaner! Dann hätten die Griechen einen Trojaner gebaut um die Trojaner anzugreifen … Aber das ergibt ja wohl offensichtlich keinen Sinn.
Wollte man also den etwas sperrigen Begriff “Trojanisches Pferd” auf eine bequeme Länge abkürzen, könnte man “Pferd” sagen (mit dem Effekt, dass niemand weiß, was gemeint ist), oder “Trojanisches”.
Aber “Ich hatte gestern ein Trojanisches im Posteingang!” hört sich wahrscheinlich einfach zu umgangssprachlich an …
“Grieche” ginge auch noch, schließlich waren die ja im Pferd. Fragen Sie doch mal in der Computerabteilung des Warenhauses Ihres Vertrauens ob “der Virenscanner auch Griechen sicher erkennt und eliminiert”. Entweder denkt der Verkäufer, Sie hätten einen Dachschaden oder seien ein Rassist mit seltsamem Humor …
Mein Vorschlag: Einfach mal ein bisschen Mühe geben und korrekt “Trojanisches Pferd” schreiben! Nein, ich sehe niemanden an, aber geben Sie bitte jedem Journalisten, der es ja eigentlich besser wissen sollte und trotzdem falsch aufschreibt, einen deftigen Knuff in die Seite!
“Bundestrojaner”:
Abgesehen von dem auch in diesem Unwort verwendeten falschen Begriff “Trojaner” gehört der oft so genannte “Bundestrojaner” ins Reich der Sagen und Legenden. Er existiert nicht und insofern ist das neben dem jüngsten wohltuenden Verbot von heimlichen Online-Durchsuchungen durch den BGH eine positive Nachricht.
Durch einen Kommentar zum Thema im Blog von Thomas Knüwer bin ich auf einen Artikel in Telepolis aufmerksam geworden, der mal so richtig herrlich und umfassend mit dem ganzen Unfug, der zu dem Thema schon reichlich verfasst wurde, aufräumt – Lesebefehl: Verdeckter Zugriff auf Festplatten.
Und besonders bedanken möchte ich mich für die folgenden Zeilen aus dem genannten Kommentar von Oliver Voß:
Hab mir heute auch schon überlegt, wie man die Terroristen am besten zum Attachment-Öffnen bekommt. Als Betreff “Atombombe zum Download” vielleicht?
Lachen ist ja bekanntlich gesund. Ich habe Tränen gelacht.
Mehr zum Thema: Satirisch