26. Jun. 2006
Vom Regen in die Jauche
ICE 557 von Köln nach Berlin. Um 17:00 Uhr spielt Deutschland im Achtelfinale gegen Schweden. Der Zug ist ziemlich ausgebucht, eine Sitzplatzreservierung war nur noch im Raucherabteil möglich. Nach kurzer Überlegung, entweder auf die Reservierung zu verzichten und vier Stunden lang Sitzplatzhopping zu betreiben oder in Ruhe im Rauch zu sitzen, hatte ich mich zähneknirschend für letzteres entschieden.
Erstaunt stelle ich im Zug fest, dass die Bahn einen kompletten Wagen den Rauchern zuschlägt. Das Abteil ist zum Glück noch nicht sehr gefüllt, wenn der Vordermann gerade nicht qualmt, ist die Luft erträglich.
Zur Abwechlsung mal was exotisches: Warme Pepsi für zwo-achtzig.
Eigentlich hätte mir die Bahn diese Entweder-Oder-Frage doch ersparen können. Einfach auf reine Nichtraucherzüge umstellen! Stehen oder im Rauch sitzen, beides würde man sich gerne ersparen. Ich gehöre mitnichten zu diesen Antiraucherfanatikern, die am liebsten auch das Rauchen überall im Freien verbieten würden, aber im Zug muss das doch wirklich nicht sein!
Die Süddeutsche schreibt heute über den angekündigten Abschied von Sabine Christiansen im Sommer 2007. An ihre Stelle soll Günther Jauch treten. Zuerst denkt man vielleicht (Achtung: Polemik!): Schön, dass diese unsägliche Sendung, das todlangweilige Flagschiff der gepflegten Verblödung durch professionell aufgeführten Politiker-Schaukampf, das trockenste Schlammcatchen der Fernsehlandschaft, endlich aufhört. Aber Moment mal: Würde das mit Jauch wirklich besser? Braucht der Zuschauer am Sonntagabend überhaupt ein solches Format? Hans-Jürgen Jakobs fragt sich im Artikel in der SZ zurecht, wie das überhaupt funktionieren soll, wo Jauch doch angekündigt hat, seine diversen Jobs bei RTL unverändert lassen zu wollen.
Christiansen will aufhören – entweder die Sendung einstellen oder jemand anderes finden, der das Format weiter betreibt? Die ARD hat sich wohl für letzteres entschieden; jetzt also mit Jauch.
Vielleicht wird Jauch einiges besser machen – das wäre ja auch nicht allzu schwer. Aber eigentlich sollte die ARD nicht an diesem und nicht an irgendeinem anderen Sendeplatz weiterhin eine solche Bühne der ungehemmten Selbstdarstellung für Politiker und Lobbyisten, ein solch langweiliges Parteiparolen-Repetitorium anbieten.
Eigentlich hätte auch diese Entweder-Oder-Frage – Sendung einstellen oder Ersatzmoderator finden – sich nicht stellen dürfen. Denn die ARD hat doch bereits auch Formate, die beweisen, dass es auch anders geht. Frank Plasbergs “Hart, aber fair” ist dafür das Paradebeispiel. Diese Sendung ist anders als die üblichen Geschwätzschows. Aber wahrscheinlich passt sie deshalb gar nicht ins “Erste”. Zwischen peinlichen Rateshows und Schlagersendungen wäre so eine Qualtitässendung nicht in guter Gesellschaft.
Die gute Gesellschaft ist eher im “Dritten”. Beim WDR, wo “Hart aber fair” zuhause ist, gibt es eine ganze Reihe hochwertiger Sendungen, Information sowie Unterhaltung und Kabarrett (z.B. “Zimmer frei”, “Mitternachtsspitzen”, “Nightwash”, “Quarks und Co” etc.). Jaja, im “Ersten” laufen auch schon mal gute Sachen (“Scheibenwischer”, oder mal ein schöner Spielfilm ohne Werbung, leider meist sehr spät), aber es könnte wirklich gerne besser sein! Wann hören die öffentlich-rechtlichen endlich wieder auf, im Kampf um die Quote mit miesen Formaten die Privatsender zu kopieren und setzen die Gebührengelder sinnvoll ein?