9. Nov. 2006

Mega-Rauschen

Abbildung: Weißes Rauschen Abbildung: Weißes Rauschen

Heutzutage macht es wahrlich keinen großen Spaß, die Anschaffung einer kompakten Digitalkamera zu planen. Hat man sich durch Zeitschriften und Testberichte gewühlt, ist spätestens danach die euphorische Erwartung toller Neuheiten von der letzten Photokina gründlich verflogen. Man ist frustriert und möchte sein Geld am liebsten aus Protest behalten, anstatt es für eine Kamera eines dem Megapixelwahn verfallenen Herstellers zu verschleudern. Blöd nur, wenn man dringend eine kompakte Kamera braucht …

Der Megapixelwahn

Dem Megapixelwahn verfallen Kamerahersteller, weil sie glauben, nur durch immer größere Megapixel-Werte als Verkaufsargument in ihren Werbeslogans in bestem Gammelsprech (*) noch Käufer im erstmals leicht stagnierenden Markt gewinnen zu können. Wenn’s einer macht, dürfen die anderen dem natürlich nicht nachstehen – und so nimmt das Unglück seinen Lauf. Das Problem am Megapixel-Wahn ist, dass die Hersteller immer mehr Bildpunkte auf die Sensoren quetschen, dabei jedoch die Sensoren keineswegs vergrößern. Folglich drängeln sich plötzlich bei gleicher Sensorgröße statt fünf oder sechs Millionen Pixeln auf der gleichen Fläche acht Megapixel. Jeder einzelne Bildpunkt ist dadurch bedeutend kleiner und bekommt deshalb auch weniger Licht ab. Die Folgen sind verheerend, denn für gute Aufnahmen braucht man vor allem eines: möglichst viel Licht!

Zum sich anbahnenden Megapixel-Wahn stellte Dr. Klaus Peeck schon in Stabilitätspakt (c’t Nr. 11 vom 15.5.2006, S. 125) fest:

Wie zu erwarten sind die Rausch-Messwerte der ultrakompakten Digitalkameras mit den neuen winzigen 6- und 7-MP-CCDs erschreckend schlecht und entsprechen bei (niedriger) ISO-100-Stufe ungefähr dem, was die Kameras des Jahrgangs 2004 noch bei ISO 400 zu leisten vermochten, also bei vierfacher Lichtempfindlichkeit.

Heute, gerade mal sechs Monate später, geht es bei sechs, sieben Megapixeln gerade erst los, acht bis 10 Megapixel ist, wenn man der Werbung der Hersteller glauben schenkt, Stand der Technik und ein Fortschritt für die Fotografie … Und schon bei sieben Megapixeln sieht es nicht rosig aus, wie Herr Dr. Peeck in Kompakt-Digicams (c’t special Nr. 6 Digitale Fotografie, Oktober 2006, S. 15) zu berichten weiß:

Mit den neuen 7-MP-Kameras ist jetzt erstmals in der kurzen Digicam-Geschichte eine Kamerageneration auf den Markt gekommen, deren Nachteile in Sachen Bildrauschen die Vorteile durch höhere Auflösung so deutlich überwiegen, dass sie die Nutzbarkeit der Geräte signifikant einschränken. Dem Megapixelwahn sei Dank … Heute mehr denn je empfiehlt sich ein Blick auf gute Vorjahres-Modelle …

Der Mangel an Licht auf den Pixeln der aktuellen Wahnsinns-Modelle führt zu einer Zwickmühle: Um den Lichtmangel zu kompensieren, muss die Kameraelektronik die Lichtempfindlichkeit, den ISO-Wert, massiv erhöhen – was jedoch zu auffälligem und hässlichen Bildrauschen führt. Ein verrauschtes Bild sieht sch… aus, deshalb versuchen die Kamerahersteller dies mit Rauschunterdrückungs-Filtern zu vertuschen. Wohin das führt, steht auch im oben genannten Artikel im c’t-Spezial:

Der mangelhaften Lichtempfindlichkeit (…) müssen die Hersteller mit aggressiver Rauschunterdrückung begegnen, die (…) die Bilddetails beschädigt und oft viel mehr Zerstörung anrichtet, als sie in Sachen Bildrauschen wettmacht.

So, wie sich die Lage darstellt, ist es also wirklich alles andere als einfach, eine kompakte Digitalkamera zu finden, die nicht nur nicht zu stark rauscht, sondern auch noch möglichst alle weiteren Ausstattungsmerkmale mitbringt, die man gerne hätte – was ja auch ohne die Rausch-Problematik schon kein leichtes Unterfangen ist.



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